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SDGs for All

SDGs for All is a joint media project of the global news organization International Press Syndicate (INPS) and the lay Buddhist network Soka Gakkai International (SGI). It aims to promote the Sustainable Development Goals (SDGs), which are at the heart of the 2030 Agenda for Sustainable Development, a comprehensive, far-reaching and people-centred set of universal and transformative goals and targets. It offers in-depth news and analyses of local, national, regional and global action for people, planet and prosperity. This project website is also a reference point for discussions, decisions and substantive actions related to 17 goals and 169 targets to move the world onto a sustainable and resilient path.

Wirtschaftsinteressen versus Gesundheit - Arbeitsmigranten leiden doppelt unter Covid-19-Pandemie

Von Kalinga Seneviratne

SYDNEY (IDN) - Arbeitsmigranten aus Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen sind die Motoren der Volkswirtschaften reicher Staaten. Doch gedankt wird ihnen ihr Einsatz nicht - und schon mal gar nicht in Zeiten von Corona.

Die Pandemie habe die gravierenden strukturellen Ungleichheiten aufgedeckt, mit denen die Arbeitsmigranten aus vorwiegend armen Ländern zu kämpfen hätten, betonte Thulsi Narayanasamy vom 'Business & Human Rights Resource Centre' (BHRRC). Die Non-Profit-Organisation engagiert sich für den Schutz der Menschenrechte in Wirtschaftsunternehmen.

Die meisten Wanderarbeiter haben seit mindestens zwei Monaten keinen Lohn gesehen. Dies führte Berichten zufolge dazu, dass Bauarbeiter im Nahen Osten hungern mussten.

In Katar und Kuwait waren Migranten aufgrund beengter Wohnverhältnisse in besonderem Maße der Gefahr einer Covid-19-Infektion ausgesetzt. Anstatt Abhilfe zu schaffen, wurden die Herkunftsländer gezwungen, ihre Bürger nach Hause zu holen.

Opfer abgestraft

Auch Singapur verlegte sich darauf, die Symptome zu bekämpfen anstatt die Ursachen für die Verbreitung des Virus in den Wohnheimen zu ignorieren. Mit der Begründung, die Arbeitsmigranten würden die Abstandsregel missachten, wurde ihnen die Arbeitserlaubnis entzogen.

Der Enge und fehlenden Hygiene in den Migrantenwohnheimen verdankte Singapur seine zweite Infektionswelle. Die Zeitung ‘Today’ berichtete, dass es sich bei fast 90 Prozent der 728 Covid-19-Neuzugänge (Stand 11. Mai) um Wanderarbeiter aus Indien und Bangladesch handelte. Jeweils zehn bis 20 der mehrheitlich als Bauarbeiter eingesetzten Menschen müssen sich ein Zimmer teilen.

Gegen die harten und unverhältnismäßigen Sanktionen legte die Migrantenhilfsorganisation 'Home' Protest ein. Sie forderte die Regierung auf, die ausländischen Arbeitnehmer zu befähigen, die Abstandsregel einhalten zu können. Inzwischen hat der Stadtstaat zugesagt, Druck auf die Arbeitgeber auszuüben, damit sie ihren ausländischen Beschäftigten bessere Unterkünfte zur Verfügung stellen.

In Singapur profitiert insbesondere die Immobilienbranche von den ausländischen Arbeitsmigranten. Indem sie bei Löhnen und Unterkünften spart, drückt sie die Kosten für den Kauf von Eigentumswohnungen und ermöglicht den Bauträgern satte Gewinne.

Appell an wohlhabende Staaten

Die Menschenrechtsorganisationen 'Amnesty International', 'Human Rights Watch', 'Migrant-Rights.org' und das BHRRC haben am 17. April in einem Schreiben an Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und an vier weitere arabische Staaten appelliert, in Corona-Zeiten die Rechte von Wanderarbeitern zu schützen. Diese Länder beschäftigen die Mehrheit der 23 Millionen in arabischen Ländern arbeitenden Zuwanderer aus ärmeren arabischen und afrikanischen Staaten.

In den Golfstaaten hängen fast alle wichtigen Wirtschaftsbereiche von den Wanderarbeitern ab. Dennoch genießen sie nicht den Schutz und Respekt, den sie verdienen, so Lynn Maalouf, die für den Nahen Osten zuständige Amnesty-Forschungsdirektorin.

Isoliert und ohne Zugang zu Wasser

Die Situation osteuropäischer Arbeitsmigranten in der EU ist ebenfalls kritisch. So berichtet der Londoner “Guardian”, dass in der spanischen Landwirtschaft tätige Wanderarbeiter nach dem Lockdown Mitte März keinen Zugang zu Wasser und Nahrungsmitteln gehabt hätten.

Wie Clare Carlile von der britischen Kampagnenorganisation 'Ethical Consumer' berichtete, hatten Armeeangehörige den Betroffenen am 18. März untersagt, ihre Siedlungen zu verlassen und sie somit vom Zugang zu Wasser und Nahrungsmitteln abgeschnitten. Inzwischen kommt zweimal wöchentlich ein Wasserwagen vorbei.

Für die Mitarbeiterin der Organisation, die sich für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen der Wanderarbeiter in der EU einsetzt, steht fest, dass die schwierige Lage dieser Menschen auf eine jahrelange Missachtung der Beschäftigten zurückzuführen ist.

"Dass die Arbeitgeber ihren ausländischen Arbeitskräften grundlegende Rechte vorenthielten, war für die Bewohner der Siedlungen schon schlimm genug. Nun hat die Pandemie die Situation vollends unerträglich gemacht”, fügte Carlile hinzu.

Malaysische Gummihandschuhproduzenten am Pranger

Die Kampagnenarbeit des BHRRC konzentriert sich derzeit auf Malaysia, dem weltgrößten Hersteller von Gummihandschuhen. Abnehmer sind insbesondere die EU und die USA, die Epizentren der Covid-19-Pandemie,

Das BHRRC wirft malaysischem Produzenten vor, ihre ausländischen Arbeitskräfte skrupellos auszubeuten. So soll das Unternehmen 'Supermax', bei dem die britischen Gesundheitsbehörden unlängst 88,5 Millionen medizinische Handschuhe bestellt haben, die Pässe ihrer ausländischen Arbeitskräfte einbehalten und kritische Stimmen mit Lohnkürzungen abgestraft haben.

Außerdem müssten die Beschäftigten 30 Tage lang ununterbrochen zwölf Stunden pro Tag arbeiten, bevor sie einen freien Tag erhielten. Arbeitsrechtler drängen die internationale Gemeinschaft dazu, derartige Formen moderner Sklaverei durch einen Boykott malaysischer Gummihandschuhe zu bekämpfen.

Im malaysischen Nachbarland Thailand waren vor Covid 19 mehr als vier Millionen Wanderarbeiter beschäftigt. Die meisten stammten aus Myanmar, Kambodscha und Laos. Viele sind entgegen des ausdrücklichen Wunsches ihrer Regierungen in ihre Heimatländer zurückgekehrt, nachdem sie ihren Job verloren hatten, keine Nahrungsmittel mehr kaufen und ihre Mieten nicht mehr zahlen konnten.

Staatliche Unterstützung versagt

Das Mekong-Netzwerk für Migration (MMN) drängt die Herkunfts- und Zielländer dazu, endlich Maßnahmen zur Absicherung der im Ausland beschäftigten Migranten zu ergreifen. Zuwanderer, die ohne Papiere eingereist und im informellen Sektor tätig seien, hätten keinerlei Anspruch auf staatliche Hilfen, moniert das MMN.

Nach Ansicht von Thulsi Narayanasamy wird es höchste Zeit, sich mit den menschlichen Kosten der Auslandsüberweisungen zu befassen. "Die Familien in den Heimatländern machen sich Sorgen um die Gesundheit ihrer Angehörigen, die vielleicht noch nicht einmal die finanziellen Mittel haben, um mit ihren Familien zu telefonieren.”

Anstatt ihre Berichterstattung auf die Auslandsüberweisungen der Migranten zu konzentrieren, sollten die Medien lieber darüber berichten, inwiefern und inwieweit sich die Herkunfts- und Gastländer der Wanderarbeiter für deren Sicherheit und Gesundheit sowie für die Fortzahlung ihrer Löhne einsetzen.

Im letzten Jahr erzielten die weltweiten Auslandsüberweisungen der Arbeitsmigranten ein Rekordhoch von mehr als 653 Milliarden US-Dollar. Den neuesten Schätzungen der Weltbank zufolge werden sie im laufenden Jahr um 100 Milliarden Dollar einbrechen. [InDepthNews - 13. Mai 2020]

Bild: Arbeitsmigranten auf dem Weg nach Doha - Quelle: tellmemoreblogger.com

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