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SDGs for All

SDGs for All is a joint media project of the global news organization International Press Syndicate (INPS) and the lay Buddhist network Soka Gakkai International (SGI). It aims to promote the Sustainable Development Goals (SDGs), which are at the heart of the 2030 Agenda for Sustainable Development, a comprehensive, far-reaching and people-centred set of universal and transformative goals and targets. It offers in-depth news and analyses of local, national, regional and global action for people, planet and prosperity. This project website is also a reference point for discussions, decisions and substantive actions related to 17 goals and 169 targets to move the world onto a sustainable and resilient path.

Afrikanische Regierungen schließen sich Kampf gegen sexuelle Erpressung an

By Kizito  Makoye

DAR ES SALAAM (IDN) – “Mach deinen Abschluss mit A-Noten (Bestnoten), nicht mit Aids”, ist auf einem Plakat in der Universität von Dar es Salaam zu lesen. Das Poster thematisiert das an der Hochschule verbreitete Phänomen der sexuellen Erpressung.

“Seit ich mich geweigert habe, meinen Professor zu daten, bekomme ich nur noch schlechte Noten”, berichtet Helena, die ihren richtigen Namen nicht nennen will. Die Jurastudentin macht sich inzwischen große Sorgen um ihre berufliche Zukunft.

Die Universität von Dar es Salaam hat einen guten Ruf zu verlieren. Sie zählt zu den besten wissenschaftlichen Einrichtungen Afrikas. Doch seit Ende 2018, als Gerüchte über Fälle sexueller Nötigung und Belästigung bekannt wurden, ist die Hochschule mit Sitz in der tansanischen Hauptstadt in die negativen Schlagzeilen geraten.

Helena ist eine von vielen Frauen, die sich mit Erpressungsversuchen von Professoren konfrontiert sehen. “Ich habe den Fall der tansanischen Anti-Korruptions-Behörde gemeldet”, sagt die 23-Jährige - ein Schritt, zu dem sich die wenigsten Opfer sexueller Gewalt aus Angst und Scham durchringen können.

Gendersensible Anlaufstellen für die Opfer

Um Frauen vor sexualisierter Gewalt zu schützen, hat die Tansanische Behörde zur Verhinderung und Bekämpfung der Korruption (PCCB) Anlaufstellen mit ausschließlich weiblichen Ansprechpartnern geschaffen, die die Anzeigen der Frauen entgegennehmen.

Sexuelle Erpressung ist eine Form der Korruption und meint Versuche höhergestellter Personen, insbesondere Frauen verbal einzuschüchtern, um sie sexuell gefügig zu machen.

Die Einrichtung frauensensibler Anlaufstellen erfolgte keine zwei Jahre nach der Verabschiedung ethischer Richtlinien, die darauf abzielen, Verfehlungen von Staatsbediensteten einzudämmen. Frauenrechtsaktivistinnen sprechen von einem Meilenstein im Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt.

Sexuelle Erpressung ist ein globales Phänomen, das oft im Doppelpack aus Korruption und sexueller Ausbeutung in Erscheinung tritt. Der tansanischen Initiative geht es darum, den Opfern zu helfen, in einem männerdominierten Gesellschaftssystem ihr Recht zu bekommen. “Wir ermutigen die Frauen dazu, ihre Stimmen gegen sexuelle Korruption zu erheben”, betont der PCCB-Generaldirektor Diwani Athumani. “Indem die Frauen ihr Schweigen brechen, finden sie sich auf der richtigen Seite des Gesetzes wieder.”

Wie Athumani berichtet, hat seine Behörde zudem eine kostenlose Telefonhotline für Menschen eingerichtet, die sexuelle Übergriffe anzeigen wollen.

Geringe Abschreckung durch Gesetze

Sexuelle Erpressung ist zwar in Tansania verboten, doch offenbar fehlt dem Gesetz die abschreckende Wirkung. Gesetzesbrecher kommen meist mit einer Geldstrafe davon.

Paragraph 25 des tansanischen Anti-Korruptionsgesetz hält fest: “Wer seine Machtstellung oder Autorität missbraucht, indem er Beschäftigungsangebote von sexuellen Gefälligkeiten, Förderungen, Rechten oder Privilegien abhängig macht, begeht eine Straftat und wird mit einem Bußgeld in Höhe von bis zu fünf Millionen Schilling (rund 2.200 US-Dollar) und/oder Haftstrafen von bis zu drei Jahren belangt.”

Der Kampf um soziale Gerechtigkeit ist ein Trend, der immer häufiger in Afrika zu beobachten ist. Dort arbeiten die Regierungen mit Frauenrechtsverbänden zusammen, um der grassierenden geschlechtsspezifischen Gewalt vehement entgegenzutreten.

Von Kigali bis Accra und von Nairobi bis Lagos sind Behörden und Frauenvertreter dabei, gendersensible Einrichtungen zu schaffen, die Anzeigen gegen Sexualstraftäter annehmen. Ein Vorreiter ist Ruanda, wo die Regierung bereits 2005 mit Unterstützung der Weltfrauenorganisation eine solche Anlaufstelle für Frauen geschaffen hat.

Auch wenn sich Gesetze gegen Geschlechterdiskriminierung und sexuelle Belästigung bisweilen als nützlich im Kampf gegen die Erpressung sexueller Gefälligkeiten erweisen – sie  reichen bei weitem nicht aus, um dem Problem nachhaltig zu Leibe zu rücken.

“Der Vorgesetzte, der Mitarbeiterinnen mit Entlassung droht, um sie sexuell gefügig zu machen, begeht gleich zwei Verbrechen: das der sexuellen Belästigung und das der sexuellen Erpressung ”, so Eliana Mbugua, eine Frauenrechtsanwältin mit Sitz in Kenia. Mbugua zufolge besteht ein weiteres Problem darin, dass sich Gesetze gegen sexuelle Belästigung und Erpressung auf Übergriffe am Arbeitsplatz beschränken und lediglich mit administrativen Strafen geahndet werden.

Hohe Opferzahlen

Frauenverbände schätzen, dass in Tansania fast neun von zehn Frauen sexuelle Gewalt erfahren. Die Einrichtung besonderer Stellen, die mit geschulten Mitarbeiterinnen besetzt sind, halten Frauenrechtlerinnen deshalb für einen entscheidenden Schritt, um einen Durchbruch zu erzielen.

Die Sozalaktivistin Leila Sheikh, die als ehemalige Mitarbeiterin für die Tansanische AIDS-Kommission sexuell belästigt wurde, empfiehlt allen Frauen die Übergriffe anzuzeigen. “Nur wenn Frauen lautstark protestieren, wird sich die Mühle der Justiz in Gang setzen”, betont sie.

Sexuelle Erpressung, die das Selbstwertgefühl der Opfer massiv untergräbt, lässt sich nur schwerlich nachweisen, da die Übergriffe in der Regel im Verborgenen stattfinden. Hinzu kommen die Scham und die Angst vieler Opfer, stigmatisiert zu werden, was eine reelle Einschätzung des Ausmaßes der Straftaten erschwert.

Internationaler Richtlinienkatalog vorgelegt

2012 hat der Internationale Richterinnenverband den Richtlinienkatalog “Naming, Shaming and Ending Sextortion” herausgegeben, der die Lücken des Strafrechtssystems im Umgang mit sexueller Nötigung, Belästigung und Erpressung aufdeckt und Vorschläge unterbreitet, wie Gesetze und politische Maßnahmen verbessert werden können.

Wie Chris Peter Maina, Rechtsgelehrter an der Universität von Dar es Salaam, erklärt, ist die sexuelle Erpressung ein besonders schwerwiegender Anschlag auf ethische Werte, da die Täter diejenigen sexuell ausbeuten, für die sie verantwortlich sind.

An die Adresse der Opfer richtet Maina den Appell, trotz aller Ängste aktiv zu werden und kriminelle Vorgesetzte anzuzeigen. “Die Furcht der Opfer, die Täter bloßzustellen, verhindert den wirksamen Kampf gegen sexuelle Erpressung.” [IDN-InDepthNews – 12. Juni 2019]

Foto: Frauen, die 2018 an einer Demonstration gegen sexuelle Erpressung in Dar es Salaam teilnahmen – Bild: Edwin Mjwahuzi

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